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Stolpersteine - Troisdorf
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Haus Hirsch - Bergheim

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Troisdorf Bergheim
Bergstrasse 27 

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  Im Jahre 1814 zerstörte ein großes Feuer erhebliche Teile des Ortes Bergheim, darunter fast die ganze Bergstraße. Auf der Geschädigtenliste taucht die Familie des Nathan Hirsch auf. Diese ist eine der drei jüdischen Familien in Bergheim, die hier schon seit mehreren Generationen lebte und eine Metzgerei und Viehhandel betrieb. Geschlachtet wurden von den strenggläubigen Juden Rinder, Kälber und Ziegen. Die Familie Hirsch baute das Haus um 1814 neu auf, wobei es möglicherweise gegenüber dem ursprünglichen Haus versetzt wurde, denn der alte Gewölbekeller, der heute noch existiert, liegt größtenteils unter dem Hof beziehungsweise dem Garten. Ein zweites, fast gleiches Haus, soll rechts der Hofeinfahrt gestanden haben, welches ebenfalls zum Anwesen Hirsch gehörte und als eigentliche Schlachterei diente. An seiner Stelle stehen heute Garagen.
Alte Nachbarn erinnern sich noch gut an den 1883 im Haus geborenen Max (Markus) Hirsch und seine Frau Selma. Sie galten als äußerst hilfsbereit und caritativ engagiert. In Bergheim waren sie hoch angesehen. Die drei Kinder Leo, Ilse und Alfred gingen in die Bergheimer Volksschule.
Seit 1941 betrieb das NS-Regime die "Umsiedlung" der Juden, wodurch das Leben der Familie mitten im Krieg zerstört wurde. Sohn Leo setzte sich noch rechtzeitig nach Amerika ab, die restliche Familie wurde zunächst nach Bonn, dann in das Sammellager Much gebracht. Genau ein Jahr später, am 16. Juni 1942, wurde die Familie nach Theresienstadt und von dort aus vermutlich in ein Vernichtungslager im Distrikt Lublin deportiert. Außer Sohn Leo hat kein Familienmitglied den Krieg überlebt.
Der Frieden brachte dem Haus nach dem Verlust seiner Besitzer jede Menge neue Bewohner: In den sechs Zimmern sowie dem Anbau wurden insgesamt bis zu fünf Familien gleichzeitig einquartiert. An Stelle der Metzgerei beherbergte das Haus erst eine Sattlerei, in den sechziger Jahren ein Photogeschäft und in den achtziger Jahren eine Töpferei.
In den fünfziger Jahren erfuhr es auch einige erhebliche Umbauten: der Dacherker mit dem Kranbalken wurde entfernt und die sehr steile Holztreppe wurde durch eine massive Betontreppe ersetzt, die nicht mehr von der Haustür sondern vom Hintereingang her aufwärts führte.